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Das Berner Projekt CinemAnalyse, initiiert 2006 zum 150. Geburtstag von Sigmund Freud vom Sigmund-Freud-Zentrum Bern (FZB), vorerst in Zusammenarbeit mit den Quinnie Cinemas, ab 2007 mit dem Lichtspiel, plant etwa monatliche Vorführungen geeigneter, auch historisch wichtiger Filme verschiedenster Provenienz. Die Veranstaltungen unter Mitwirkung von Psychoanalytikern und Frau Dr. phil. Mechthild Heuser vom Bundesamt für Kultur, mit Kurzeinführung und Schlussdiskussion im Kino, finden jeweils donnerstags ab 20.00 (Bar ab 19.00) im Lichtspiel, Bahnstrasse 21, 3008 Bern, statt und sind öffentlich; Eintritt individuell. Die Projektdauer hängt vom Publikumsinteresse ab. Auf dieser Seite finden Sie das aktuelle Programm. Für die Programme vergangener Jahre beachten Sie bitte das Archiv.
Viel Vergnügen!
Dr. med. Alexander Wildbolz, Ausbildungsanalytiker der Schweizerischen Gesellschaft für Psychoanalyse am Sigmund-Freud-Zetrum Bern |
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La guerre du feu von Jean-Jacques Annaud (1981)
Annauds vielprämierter Film erzählt von einer kleinen Gruppe Neandertaler, deren Feuer während eines Kampfes erlischt. Da sie noch nicht in der Lage sind, Feuer zu entzünden, droht ihnen der Tod durch Kälte und wilde Tiere. Drei junge Männer werden ausgesandt, um das Feuer zurückzubringen. Der Film kommt gänzlich ohne eine dem Publikum verständliche Sprache aus, die verwendete Kommunikation basiert auf einer durch den Schauspieler Anthony Burgess entwickelte Kunstsprache aus rund hundert verschiedenen Lauten und einer urtümlich wirkenden Körpergestik, bei der die Schauspieler durch den Verhaltensforscher Desmond Morris beraten wurden.
Donnerstag, 21. Januar 2010 |
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L'enfant sauvage von François Truffaut (1970)
1798 wurde bei Aveyron ein etwa 12-jähriger, wild aufgewachsener und fast taubstummer Knabe eingefangen und später nach Paris gebracht, wo der Arzt Jean Itard in unablässigem pädagogisch-psychologischen Bemühen sein verschüttetes Empfindungs- und Kontaktvermögen zu wecken suchte. Truffauts schlichter Film, der tagebuchartig dem Bericht des Arztes folgt, ist ein menschlich und künstlerisch eindrucksvolles Dokument des Glaubens an eine gewisse Entwicklungsfähigkeit jedes Menschen.
Donnerstag, 25. Februar 2010 |
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Le pays des sourds von Nicolas Philibert (1992)
Nicolas Philiberts aussergewöhnlicher Dokumentarfilm führt uns in eine Schule, in der eine Gruppe Jugendlicher lernt, Laute und Worte zu artikulieren. "Le pays des sourds" erzählt in einer völlig neu überdachten filmischen Grammatik die Lebensgeschichten der Jugendlichen, die von Geburt auf ganz oder beinahe gehörlos sind.
Eindringlicher als alles Wissenswerte prägen sich die Eleganz und die Anmut ihrer Gesten und Bewegungen ein, die Virtuosität und mimische Vielfalt, mit der sie jedes Wort blitzschnell in szenische Bilder transponieren und ihren Körper mit einer Grazie als Ausdrucksorgan beherrschen, die jedem Pantomimen zur Ehre gereichen würde.
Donnerstag, 25. März 2010 |
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Il postino von Michael Radford (1994)
Der Rhythmus des eintönigen Lebens auf einer kleinen Insel im Mittelmeer wird einzig durch das Ein- und Auslaufen der Fischerboote bestimmt, die Abende verbringen die Männer bei einem Glas Wein in der Dorfschenke. Die wenigen Höhepunkte des Dorflebens beschränken sich auf kirchliche Feste und gelegentliche Kinobesuche. Auf dieser Insel lässt sich der politisch verfolgte chilenische Dichter Pablo Neruda nieder. Weil er täglich Berge von Post erhält, wird der arbeitslose Mario als Aushilfsbriefträger eingestellt. Der liebenswerte Träumer, der nie zur Schule ging, ist von dem weltgewandten Schöngeist fasziniert. Nach und nach entwickelt sich zwischen den beiden Männern eine Freundschaft, und Mario entdeckt die Kraft der Poesie, die ihn auch seiner angebeteten Beatrice näherbringt.
Donnerstag, 29. April 2010 |
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Hable con ella von Pedro Almodóvar (2002)
Auf der Komastation eines Krankenhauses treffen Benigno, der die junge Tänzerin Alicia, die er schon lange aus der Ferne geliebt hat, betreut und Marco, der die junge Stierkämpferin Lydia besucht, mit der er seit kurzem zusammen ist, aufeinander. In "Hable con ella" geht es um Trauer und Einsamkeit, Kommunikation und die Unfähigkeit zum Gespräch, unverheilte psychische Verletzungen, Freundschaft und die Sehnsucht nach Liebe.
Donnerstag, 27. Mai 2010 |
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Le scaphandre et le papillon von Julian Schnabel (2007)
1995 wird der Chefredakteur der Elle-Zeitschrift, Jean-Dominique Bauby, durch einen Schlaganfall im Bereich des Hirnstamms gelähmt. Er leidet fortan am Locked-in-Syndrom und kann nur noch das linke Augenlid bewegen. Zwei Therapeutinnen entdecken ein System, das es ihm ermöglicht, zu kommunizieren. Buchstabe um Buchstabe diktiert Bauby seine Memoiren, auf welchen dieser eindrückliche Film basiert.
Donnerstag, 24. Juni 2010 |
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The Great Dictator von Charlie Chaplin (1940)
In seiner grotesken Satire auf Adolf Hitler und den Nationalsozialismus übernahm Chaplin selbst die Doppelrolle eines jüdischen Coiffeurs und des Tyrannen Adenoid Hynkel. Der grossartige Film ist geprägt von geistreichen Wortspielen, optischen Tricks und witzigen Slapstickeinlagen, und doch bleibt dem Publikum bei dieser wahnwitzigen Verwechslungsgeschichte immer wieder das Lachen im Halse stecken.
Donnerstag, 28. Oktober 2010 |
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Alien von Ridley Scott (1979)
Bei der Suche nach der Ursache eines Funksignals wird ein Besatzungsmitglied des Raumschiffes "Nostromo" von einem fremdartigen Monster überfallen, das nach und nach die gesamte Mannschaft tötet und als unvermeidbares Unheil die Erde ansteuert. Nur eine junge Frau kann sich zur Wehr setzen. Der erste Alien-Film hat eine perfekt entwickelte Spannungsdramaturgie und bietet stilistisch brillant die Variante des Science-Fiction-Motivs der Bedrohung durch ausserirdisches Lebewesen, mit deutlichen sexualpsychologischen Akzenten. Tief einprägend bleiben die vom Maler H. R. Giger entworfenen düsteren Alptraumwelten.
Donnerstag, 25. November 2010 |
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Der letzte Mann von Friedrich Wilhelm Murnau (1924)
Stummfilm – musikalische Livebegleitung von Christian
Henking
Beinahe völlig ohne Zwischentitel, mit visuellen Mitteln erzählt F.W.
Murnau die Geschichte eines obersten Hotelportiers, der unter dem Vorwurf der Altersschwäche seines Amtes enthoben wird und fortan die sanitären Anlagen des Hotels zu pflegen hat. Die geliebte Uniform, die ihm zuhause, in den ärmlichen Wohnkolonien der Hinterhöfe, bei Familie und Nachbarschaft Respekt und Autorität verliehen hat, wird ihm entrissen. Um sein Gesicht nicht zu verlieren, entwendet er die
Uniform heimlich.
Donnerstag, 16. Dezember 2010 |
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1895 gilt als das Geburtsjahr der Psychoanalyse wie auch des Films. Sigmund Freud (1856 – 1939) veröffentlichte in diesem Jahr in Wien seine "Studien über Hysterie", und in Paris liessen die Brüder Auguste und Louis Lumière den ersten, in Zusammenarbeit mit dem Ingenieur Jules Carpentier hergestellten Cinematographen patentieren. Freud selbst, dessen Leben und Werk in der Folge wiederholt verfilmt wurde, stand dem neuen Medium Film skeptisch gegenüber, im Unterschied zu seinen Schülern der ersten Stunde Karl Abraham, Hanns Sachs und Otto Rank.
Mittlerweile hat der Film längst das Interesse der Psychoanalytiker gefunden, weil er trotz einiger Unterschiede zur Psychoanalyse mit ihr vieles gemeinsam hat. Beim Film fehlt, was interaktiv vom Patienten kommt (z.B. Assoziationen und Übertragungen), und das Bild dominiert die Sprache. Freud ("Das Ich und das Es", 1923) sagt über das Denken in Bildern: "Es steht … irgendwie den unbewussten Vorgängen näher als das Denken in Worten und ist unzweifelhaft onto- wie auch phylogenetisch älter als dieses." Das Gemeinsame überwiegt jedoch, was wohl im Bereich der Phänomene der Traumdeutung, aber nicht nur dort, am deutlichsten wird.
Es entstand eine eigentliche psychoanalytische Filmliteratur, die explosionsartig zunimmt.
Glen O. Gabbard sagt in seinem Buch ("Psychoanalysis and Film", 2001), dass seit den 1950er Jahren Psychoanalytiker die psychologische Betrachtung der Filmkunst für ebenso fruchtbar halten wie Freuds Anwendung psychoanalytischen Denkens auf literarische Werke. Er weist in den verschiedensten Zeitschriften ("Cahiers du Cinéma" in Frankreich, "Screen" in England, "Camera Obscura" und "Discourse" in den USA) auf die Fülle psychoanalytischer Filmbesprechungen hin. Seit 1997 publiziert das "International Journal of Psychoanalysis", gegründet 1920 von Ernest Jones in London unter der Leitung von Freud, auch psychoanalytische Filmbesprechungen. Ein bedeutender europäischer Exponent psychoanalytischer Filmliteratur ist Andrea Sabbadini. Er betont in seinen Werken ("The Couch and the Silver Screen", 2003; "Projected Shadows", 2007) die Wichtigkeit des interdisziplinären Austauschs zwischen Filmemachern und Analytikern, und gründete in London das Europäische Psychoanalytische Film-Festival. Im deutschsprachigen Bereich definierte Mechthild Zeul bereits 1994 als psychoanalytisch nur jene Filmtheorie, die von der Freud’schen Version der Psychoanalyse ausgeht und von Psychoanalytikern unter Berücksichtigung – neben inhaltlicher – auch formaler Elemente selber formuliert wird. Originelle aktuelle Beiträge verdanken wir u.a. Gerhard Schneider mit seiner Idee der generativen Wirkung des Films, sowie Ralf Zwiebel und Annegret Mahler-Bungers, für die psychoanalytische Filminterpretation ein triadischer Prozess ist, den sie anhand der filmspezifischen Begriffe Einstellung, Darstellung und Vorstellung definieren.
Die Kommunikation in der Psychoanalyse erfolgt über die Sprache, die das averbal Kommunizierte miteinschliesst. Die Sprache, mit den in der Körperlichkeit wurzelnden Worten, erlaubt uns zu verstehen, einen differenzierteren Standpunkt zu gewinnen. Der psychoanalytische Erkenntnisprozess erfolgt in einem dauernden Wechsel vom Bild zum Wort zum Bild…. Nach Freuds metapsychologischen Überlegungen heisst Bewusstwerdung: Die im System des Unbewussten nach dem Lustprinzip primärprozesshaft frei flottierenden, v.a. visuellen, Sachvorstellungen mit den dazugehörigen, v.a. akustischen, Wortvorstellungen des Systems Vorbewusstsein-Bewusstsein, einem System, in welchem der Sekundärprozess und das Realitätsprinzip herrschen, verbinden. CinemAnalyse 2010 möchte bei der Filmbetrachtung den Akzent auf die Bedeutung der sprachlichen Kommunikation setzen, auf die Sprache in ihrer Entstehung, in ihrer Entartung, in ihrem Ausfall.
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