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Das Berner Projekt CinemAnalyse, initiiert 2006 zum 150. Geburtstag von Sigmund Freud vom Sigmund-Freud-Zentrum Bern (FZB), vorerst in Zusammenarbeit mit den Quinnie Cinemas, ab 2007 mit dem Lichtspiel, plant etwa monatliche Vorführungen geeigneter, auch historisch wichtiger Filme verschiedenster Provenienz. Die Veranstaltungen unter Mitwirkung von Psychoanalytikern und Frau Dr. phil. Mechthild Heuser vom Bundesamt für Kultur, mit Kurzeinführung und Schlussdiskussion im Kino, finden jeweils donnerstags ab 20.00 (Bar ab 19.00) im Lichtspiel, Bahnstrasse 21, 3008 Bern, statt und sind öffentlich; Eintritt individuell. Die Projektdauer hängt vom Publikumsinteresse ab.
Auf dieser Seite finden Sie das aktuelle Programm.
Ein für die Druckausgabe optimierter Flyer (PDF, 356 KB) kann hier heruntergeladen werden.
Für die Programme vergangener Jahre beachten Sie bitte das Archiv.
Viel Vergnügen!
Dr. med. Alexander Wildbolz, Ausbildungsanalytiker der Schweizerischen Gesellschaft für Psychoanalyse am Sigmund-Freud-Zetrum Bern |
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La Belle et la Bête von Jean Cocteau (1946)
Mit seiner Verfilmung des französischen Märchenstoffs um eine junge Schönheit, die sich einem bedrohlichen Wesen zuerst opfert und sich schliesslich in dieses verliebt, leitete Jean Cocteau 1946 eine Reihe filmischer Variationen zum Thema ein. Nebst dem, dass in der Begegnung der ungleichen Gegenüber Grundzüge menschlichen Beziehungslebens dargestellt werden, trugen auch die aufwendige Ausstattung der Kulissen und eine für für die Zeit erstaunliche Maske für das «Tier» zum Erfolg dieses poetischen Märchens auf der Leinwand bei.
Donnerstag, 26. Januar 2012 |
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Des Kaisers neue Kleider von Juraj Herz (1993)
Auch der Kaiser hat kein Gemüt, «das aller eitelkeit, die der gemeine mann für grosse sachen hält, getrost entsagen kann». Und so haben zwei Gauner leichtes Spiel, die dem Kaiser feinste Stoffe anpassen, aus Luft gemacht: Dieser kann nicht zugeben, dass er die Schneidereien nicht sieht. Und auch niemand sonst am Hof will sich als derjenige zu erkennen geben, der allein die Kleider nicht zu sehen vermag, die nur die Phantasie webt und die der König nicht trägt. Aufbauend auf Hans Christian Andersens gleichnamigem Märchen aus dem Jahr 1837.
Donnerstag, 29. März 2012 |
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Die Abenteuer des Prinzen Ahmed von Lotte Reiniger (1926)
Die Abenteuer um den Prinzen Ahmed spielen in den wunderlichen Welten aus dem Schatz der Märchen-Geschichten aus «tausendundeiner Nacht»: Fliegende Pferde, hinterlistige Zauberer und vielköpfige Dämonen bevölkern Gegenden, die verführerische Namen tragen. Der zwischen 1923 und 1926 entstandene Film ist eine der ersten animierten Langspielproduktionen der Kinogeschichte. Bei den Animationen handelt es sich um höchst aufwendige Scherenschnitt-Silhouetten, die mit einem Stop-Motion-Verfahren zum Leben erweckt wurden.
Donnerstag, 26. April 2012 |
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Das Zaubermännchen von Christoph Engel (1974)
Besser bekannt unter dem enigmatischen Namen «Rumpelstilzchen» handelt das Märchen von einem Mädchen, das Stroh zu Gold spinnen soll, um ihrem Vater gegenüber dem König aus der Patsche zu helfen. Ein geheimnisvolles Männchen hilft ihr dabei, gegen Bezahlung und schliesslich gegen das Versprechen, dass sie ihm dereinst ihr erstgeborenes Kind opfern werde. Sie geht den teuflischen Pakt ein. Und bald schon fordert das rätselhafte und noch namenlose Wesen seinen Tribut von der mittlerweile zur Königfsfrau gewordenen Müllerstochter.
Donnerstag, 31. Mai 2012 |
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Die Geschichte vom kleinen Muck von Wolfgang Staudte (1954)
Auf einem Märchen von Wilhelm Hauff aufbauend, erzählt der Film die Geschichte des missgestalteten Muck, der in einer orientalischen Stadt ein trostloses Leben ohne Freunde fristet. Seiner Einsamkeit hilft er dadurch ab, dass er ein paar Kinder in seine Töpferei einlädt, sie hier einschliesst und ihnen aus seinem Leben erzählt – dem wundersamen Leben des kleinen Muck, der dank einem Paar geflügelter Schuhe als Oberleibläufer am Hof des Sultans beschäftigt wird und von da aus seine Abenteuer in eine bunte und auch gefährliche Welt unternimmt.
Donnerstag, 28. Juni 2012 |
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Little Red Riding Hood und andere Märchen – Trickfilmprogramm
Um nur eine Geschichte zu erwähnen … Der Besuch eines ungehobelten Landwolfs bei seinem Cousin in der Stadt dauert lediglich kurz: Zu unmanierlich gebärdet sich der Gast, zu unverschämt sind seine Avancen gegenüber dem Variété-Mädchen mit der roten Mütze. Er wird daher von seinem kultivierten Verwandten zurück aufs Land gebracht. Der städtische Galant jedoch ist selbst nicht weniger entzückt von den Landschönheiten – und auch diese tragen rote Kappen.
Ein Trickfilmabend mit den unterschiedlichsten Werken aus dem Lichtspiel-Archiv, auf Rotkäppchens Spuren.
Donnerstag, 25. Oktober 2012 |
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Bluebeard's Eighth Wife von Ernst Lubitsch (1938)
Charles Perraults Märchenstoff um den blutrünstigen und frauenmordenden Aristokraten Blaubart aus dem Jahr 1697 wird in dieser Screwball-Komödie wesentlich abgemildert. Nicht der undurchsichtige französische Noble, sondern ein schwerreicher amerikanischer Frauenschwarm hütet an der Côte d'Azur ein Geheimnis vor seiner jungen Gattin: nämlich sieben frühere Ehen. Als die frisch Vermählte dahinter kommt, macht sie ihrem Mann das Eheleben zur Hölle.
Der Film besticht nicht zuletzt auch durch die Lubitsch eigenen witzigen und schlagfertigen Dialoge.
Donnerstag, 29. November 2012 |
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Wie man Dornröschen wachküsst von Václav Vorlícek (1977)
Václav Vorlícek ist massgeblich an den Erfolgen der tschechischen Märchenfilme beteiligt. Nach dem beliebten Klassiker «Drei Nüsse für Aschenbrödel» (1973) ist dem Regisseur mit «Wie man Dornröschen wachküsst» eine weitere erfolgreiche Märchen-Verfilmung gelungen.
In seiner Adaptation des «Dornröschens» greift Vorlícek sowohl Motive des Dornröschenmärchens der Gebrüder Grimm wie auch Motive aus Charles Perraults «La belle au bois dormant» auf und erzählt gleichzeitig augenzwinkernd, wie der klassische Märchenprinz ausgedient hat.
Donnerstag, 13. Dezember 2012 |
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1895 gilt als das Geburtsjahr der Psychoanalyse wie auch des Films. Sigmund Freud (1856 – 1939) veröffentlichte in diesem Jahr in Wien seine «Studien über Hysterie», und in Paris liessen die Brüder Auguste und Louis Lumière den ersten, in Zusammenarbeit mit dem Ingenieur Jules Carpentier hergestellten Cinematographen patentieren. Freud selbst, dessen Leben und Werk in der Folge wiederholt verfilmt wurde, stand dem neuen Medium Film skeptisch gegenüber, im Unterschied zu seinen Schülern der ersten Stunde Karl Abraham, Hanns Sachs und Otto Rank.
Mittlerweile hat der Film längst das Interesse der Psychoanalytiker gefunden, weil er trotz einiger Unterschiede zur Psychoanalyse mit ihr vieles gemeinsam hat. Beim Film fehlt, was interaktiv vom Patienten kommt (z.B. Assoziationen und Übertragungen), und das Bild dominiert die Sprache. Freud («Das Ich und das Es», 1923) sagt über das Denken in Bildern: «Es steht … irgendwie den unbewussten Vorgängen näher als das Denken in Worten und ist unzweifelhaft onto- wie auch phylogenetisch älter als dieses.» Das Gemeinsame überwiegt jedoch, was wohl im Bereich der Phänomene der Traumdeutung, aber nicht nur dort, am deutlichsten wird. Es entstand eine eigentliche psychoanalytische Filmliteratur, die explosionsartig zunimmt.
Glen O. Gabbard sagt in seinem Buch («Psychoanalysis and Film», 2001), dass seit den 1950er Jahren Psychoanalytiker die psychologische Betrachtung der Filmkunst für ebenso fruchtbar halten wie Freuds Anwendung psychoanalytischen Denkens auf literarische Werke. Er weist in den verschiedensten Zeitschriften («Cahiers du Cinéma» in Frankreich, «Screen» in England, «Camera Obscura» und «Discourse» in den USA) auf die Fülle psychoanalytischer Filmbesprechungen hin. Seit 1997 publiziert das «International Journal of Psychoanalysis», gegründet 1920 von Ernest Jones in London unter der Leitung von Freud, auch psychoanalytische Filmbesprechungen. Ein bedeutender europäischer Exponent psychoanalytischer Filmliteratur ist Andrea Sabbadini. Er betont in seinen Werken («The Couch and the Silver Screen», 2003; «Projected Shadows», 2007) die Wichtigkeit des interdisziplinären Austauschs zwischen Filmemachern und Analytikern, und gründete in London das Europäische Psychoanalytische Film-Festival. Im deutschsprachigen Bereich definierte Mechthild Zeul bereits 1994 als psychoanalytisch nur jene Filmtheorie, die von der Freud’schen Version der Psychoanalyse ausgeht und von Psychoanalytikern unter Berücksichtigung – neben inhaltlicher – auch formaler Elemente selber formuliert wird. Originelle aktuelle Beiträge verdanken wir u.a. Gerhard Schneider mit seiner Idee der generativen Wirkung des Films, sowie Ralf Zwiebel und Annegret Mahler-Bungers, für die psychoanalytische Filminterpretation ein triadischer Prozess ist, den sie anhand der filmspezifischen Begriffe Einstellung, Darstellung und Vorstellung definieren.
Märchen sind kleine Kunstwerke, uraltes Kulturgut. Sie haben ein lokales Kolorit, behandeln aber universelle Themen der menschlichen Entwicklung. Sie
holen Kinder und Erwachsene dort ab, wo diese innerlich gerade stehen. Dabei
werden die verschiedensten psychologischen Ebenen angesprochen. Das
Märchen, im Unterschied zur Sage, historisiert nicht – «es war einmal» kann überall sein. Beim Märchen ist die Moral unaufdringlich-implizit; die Fabel moralisiert. Das Märchen ist die optimistische Schwester des Mythos, es endet (fast) immer gut; nach Überwindung aller Gefahren siegt Eros, der Lebenstrieb, über Thanatos, den Todes- oder Aggressionstrieb – «und wenn sie nicht gestorben sind, leben (und lieben) sie heute noch». Freud selbst hat einiges über das
Märchen geschrieben im Zusammenhang mit der kindlichen Allmacht, dem
Magischen und dem Unheimlichen. Bruno Bettelheim verfasste ein ganzes Buch über Märchen (1976, «The Uses of Enchantment», franz. «Psychanalyse des contes de fées»). Und Charles Dickens soll gar gesagt haben, dass das
Rotkäppchen seine erste Liebe gewesen sei und dass er, wenn er es hätte
heiraten können, das perfekte Glück gefunden hätte … lassen wir uns also verzaubern – und inspirieren!
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