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Psychoanalyse ist
1. ein Verfahren zur Erforschung unbewusster seelischer Vorgänge, die sonst dem Bewusstsein kaum zugänglich sind,
2. eine Behandlungsmethode vor allem für neurotische Störungen, die sich auf diese Erforschung gründet, und
3. eine neue wissenschaftliche Disziplin, welche die Tätigkeit der menschlichen Psyche beschreibt.

Die Psychoanalyse richtet sich vor allem an Menschen, die infolge persönlichen Leidens und/oder aufgrund ihres Interesses an psychischen Vorgängen mehr über sich erfahren, sich erkennen, verstehen und sich tiefgreifend verändern möchten. Als Behandlungsmethode ist die Psychoanalyse und die psychoanalytische Psychotherapie erwiesenermassen geeignet, jene seelischen Vorgänge erlebbar zu machen, die der Selbstbeobachtung sonst nicht zugänglich sind. Erleben und Einsicht ermöglichen Veränderungen in der Beziehung zu sich selbst und zu andern Menschen, legen die eigenen Kräfte frei und gehen mit einer Verbesserung der allfälligen Krankheitssymptome einher.

Zu den erstaunlichsten Entdeckungen der Psychoanalyse gehört die Erkenntnis, dass unbewusste psychische Vorgänge einen weitreichenden Einfluss auf unser Denken, Erleben und Verhalten ausüben. Sie können psychische und körperliche Symptome verursachen. Kulturelle und politische Strömungen sind stark von unbewussten Kräften geprägt. Es gibt psychoanalytische Theorien zum Seelenleben der erwachsenen Menschen, zur kindlichen und adoleszenten Entwicklung und zum Alter. Daneben existiert eine differenziert ausgebaute Lehre zu den verschiedenen seelischen Krankheiten sowie zur Psychosomatik; nicht zu vergessen sind die Forschungen und Theorien über Gruppen und Organisationen sowie über Gesellschaft, Kultur und Kunst (Literatur, bildende Kunst, Musik, Film).

Seit ihren Anfängen vor über hundert Jahren hat sich die Psychoanalyse in viele Richtungen entwickelt. Die Internationale Psychoanalytische Vereinigung (IPV) hat heute etwa 11'000 Mitglieder, die in einem jährlich neu aufgelegten Register (Membership Handbook and Roster) verzeichnet sind. Psychoanalytikerinnen und Psychoanalytiker, die Mitglieder der IPV sind, haben eine viele Jahre dauernde berufsbegleitende Ausbildung gemacht, die eine intensive psychoanalytische Selbsterfahrung, engmaschige Supervisionen und einen aufwendigen Theorieteil umfasst. Die Ausbildung wird mit einer Abschlussqualifikation beendet.

Die meisten Psychoanalytikerinnen und Psychoanalytiker leben in Europa und Nord- und Südamerika. Es existieren etwa 80 Fachzeitschriften. Die psychoanalytische Wissenschaft ist seit ihren Anfängen stark in der psychoanalytischen Praxis verwurzelt und empfängt von dort bis heute wichtige Beiträge.

Psychoanalyse wird an vielen Universitäten gelehrt, so auch an der Universität Bern, wo Frau Dr. med. Hannelore Wildbolz von 1996 bis 2007 einen Lehrauftrag der Medizinischen Fakultät hatte. Über das ganze Jahr finden weltweit Tagungen zu einer Vielzahl von psychoanalytischen Themen statt. Psychoanalytische Forscherinnen und Forscher sind führende Mitglieder der Society for Psychotherapy Research (SPR) und geben der Psychotherapieforschung immer wieder entscheidende Impulse.

 

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